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Logika Berlin: 1920

Tauche ein in luxuriöse Abende "Unter den Linden", erlebe politische Unruhen auf dem Potsdamer Platz, erkunde das Hallesche Tor und lass dich im Café Meran modisch beraten. Das spektakuläre Berlin der 20er Jahre erwartet dich mit über 50 schön illustrierten Escape-Room-Rätseln. Vom Kurfürstendamm, über den Bahnhof Zoo bis nach Schöneberg – entdecke die Stadt von ihrer stilvollen und doch aufregenden Seite. Schaffst du es, zwischen Tanzabenden mit Pailletten und Federn, Einkäufen am Alexanderplatz und Krawallen in Friedrichshain den roten Faden zu finden und dich durch das Buch zu rätseln? Finde es heraus und spiele wann du willst und wo du willst. Jedes Rätsel aus den drei Kapiteln von leicht bis schwer lässt sich einzeln lösen – egal ob unterwegs, zwischendurch oder zu Hause.

Das Buch beinhaltet 50 Escape Room Rätsel aus der Zeit Berlins in den 1920er Jahren und die Geschichte der Tänzerin Ivette. Es beginnt nach dem Vorwort mit den einfachen Rätseln und endet mit den schweren. Schritt für Schritt arbeitet man sich durch das Buch und Ivettes Reise wird unterhaltsam erzählt. Zwei historische Stadtpläne und schöne Illustrationen runden das ganze ab.

Sehr zu empfehlen für Logikrätsel-Freunde, Berlin-Liebhaber, 20er-Fans und Escape-Room-Spieler.

Alexa Hennig von Lange - Die karierten Mädchen

Die über 90-jährige, blinde Klara lebt seit dem Tod ihres geliebten Mannes allein in ihrem Reihenhaus, als sie beschließt, ihre wahre Lebensgeschichte auf Audiocassetten festzuhalten. Viel zu lange hat sie schon geschwiegen und Erlebtes verdrängt…

Ihre Schilderungen beginnen im Jahr 1929, als sie zwanzigjährig eine Stelle als Lehrerin in einem Kinderheim in Ostdeutschland antritt. Zu dem einjährigen Waisenkind Tolla entwickelt Klara schnell eine ganz besondere Beziehung und gibt sie schließlich sogar als ihre eigene Tochter aus. Die wirtschaftliche Lage des Heims, dessen Leitung Klara inzwischen übernommen hat, spitzt sich zu und so kommt sie nicht umhin, entgegen ihrer Überzeugung nationalsozialistische Machthaber als Geldgeber für sich zu gewinnen.

Unter der Hakenkreuzfahne wird die Einrichtung zu einer Ausbildungsstätte für junge Frauen, zur Vorbereitung auf ihre nationalsozialistische Rolle. Klara soll hier die Liebe zu Volk und Kind vermitteln, anstatt die Schülerinnen zum eigenständigen Denken zu erziehen. Die vorgeschriebene Kleidung für alle Mädchen besteht aus Dirndl mit Schürze im Karomuster, was ihnen im ganzen Umkreis den Namen „karierte Mädchen“ einbringt. Als Vorzeige-Institution muss Klara häufig politische Besucher empfangen, vor denen sie Tollas wahre Identität zu verheimlichen versucht, denn das Mädchen ist jüdischer Herkunft und somit in größter Gefahr…

„Die karierten Mädchen“ ist der erste Band einer Trilogie, die auf den Lebenserinnerungen der Großmutter der Autorin beruhen, die diese auf 130 Toncassetten aufgenommen hat.

Mein Fazit: Ein spannender Trilogie-Auftakt, eine dramatische Lebensgeschichte mit historischem Hintergrund und einem offenen Ende. Dieser Pageturner macht Lust auf mehr und ich hoffe, nicht zu lange auf die Fortsetzung warten zu müssen…

Jens Eisel - Cooper

1971 entführte ein unter dem Namen Dan Cooper reisender Mann eine Boeing 727 der Fluggesellschaft Northwest Orient Airlines mit der Flugnummer 305, erpresste eine hohe Summe Lösegeld, sprang im Anschluss mit einem Fallschirm aus der Heckklappe des Flugzeugs und blieb für immer ein Phantom. Diese wahre sowie unglaubliche Begebenheit inspiriert Jens Eisel zu einem äußerst spannenden Roman mit fiktiven Elementen.

Es geht um eine der vielen Flugzeugentführungen, die die Schlagzeilen der frühen Siebziger beherrschen. Auf einem Flug nach Seattle fordert ein Mann Lösegeld, andernfalls zündet er die bei sich befindliche Bombe. Eindringlich wird die lockere Atmosphäre beschrieben, die zu dieser Zeit auf Flügen herrschte. Es wird geraucht, der ein oder andere Whiskey wird getrunken und auch ist es nicht unüblich, dass sich das Personal für ein kurzes Pläuschchen zu den Reisenden setzt. So fällt es zuerst nicht weiter auf als sich Flugbegleiterin Kate ungewöhnlich lange und häufig mit einem Fluggast aus der letzten Reihe unterhält…

Der Schreibstil des Autors ist geradlinig und präzise und erzeugt auf wenigen Seiten ohne Schnörkel so viel Spannung, dass man das Buch nur schwer aus der Hand legen kann. Die Schilderung der Entführung ist dabei so unglaublich, dass man sich nur schwer vorstellen kann, dass sie fast genauso tatsächlich passiert ist. Diesen Krimi (der übrigens ohne einen Tropfen Blut zu vergießen auskommt) kann ich als Lektüre zwischendurch wärmstens empfehlen. Wer sich darüber hinaus für diesen Fall interessiert, kann sich außerdem die aktuelle Dokumentation „Das Rätsel um D. B. Cooper“ auf Netflix ansehen.

Hanns-Josef Ortheil - Ombra

Hanns-Josef Ortheil gelingt in seinem wohl persönlichsten Buch „Ombra“ das Kunststück, ein existentielles Thema auf leichte Art, und dennoch mit Tiefgang, zu erzählen.

Nach einer mehrstündigen Herz-OP mit Komplikationen fällt Ortheil 2019 ins Koma. Nach seinem Erwachen ist nichts mehr so wie vorher. Sein über Jahrzehnte praktiziertes, fast manisches Schreiben ist nicht mehr möglich. Er ist körperlich so schwach – selbst einen Stift zu führen, fällt ihm schwer – und durch das Erleben der Todesnähe so verunsichert, dass der Gedanke „es könnte mir wieder etwas passieren“ selbst die kleinsten Unternehmungen erschwert.

Der autobiografische Roman beginnt mit dem Einstieg in eine ambulante Reha-Maßnahme, in der Ortheil zum ersten Mal in seinem Leben mit Therabändern, Walkingstöcken, Qigong-Stunden, psychologischen Gesprächen und Ähnlichem konfrontiert wird und diese „Begegnungen“ fast slapstickartig beschreibt. Neben diesen Bemühungen um Körper und Psyche reflektiert er sein Leben, was ihn immer wieder in seine belastete Kindheit zurückführt und zum Beginn seiner Schreibtätigkeit. In geisterhaften Heimsuchungen nehmen seine (toten) Eltern während seiner Genesungszeit Kontakt zu ihm auf, unterhalten sich mit ihm, geben ihm Ratschläge. Schritt für Schritt fasst Ortheil in seinem „neuen“ Leben Fuß, nimmt alte Kontakte wieder auf und macht Pläne für die Zukunft.

„Ombra“, was unter anderem mit Schatten, Zweifel, Finsternis oder Schutz übersetzt werden kann, ist der „Roman einer Wiedergeburt“ und war für mich ein interessantes und kurzweiliges Lesevergnügen, das der „Wiedergeburt“ des heute siebzigjährigen Autors Hanns-Josef Ortheil zu verdanken ist!