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Sara Gmuer - Achtzehnter Stock

Die junge alleinerziehende Wanda hat sich ihr Leben eigentlich ganz anders vorgestellt. Sie wollte als Schauspielerin durchstarten, stattdessen sitzt sie mit ihrer Tochter Karlie mit Mietschulden im 18. Stock eines Berliner Plattenbaus fest und versucht sich irgendwie über Wasser zu halten. Keiner glaubt, dass sie es da raus schaffen kann. Doch als ihr eine große Rolle in einer Serie winkt und das Glück zum Greifen nah liegt, scheint es doch noch eine Möglichkeit für Wanda zu geben, ihren Traum zu verwirklichen. Aber sie muss Kind und Karriere unter einen Hut bringen, lernt die Schattenseiten des glamourösen Showbiz kennen, hat gegen alle möglichen Vorurteile zu kämpfen und muss nebenbei auch noch ihre Gefühle für Schauspielkollege Adam sortieren. Letztendlich muss Wanda entscheiden, was ihr wirklich wichtig ist.

"Achtzehnter Stock" hat mir von Anfang an sehr gut gefallen. Dass die Hauptfigur aus einem Milieu stammt, dass sonst eher selten im Fokus steht, fand ich sehr interessant. Wandas Spagat zwischen Selbstverwirklichung und aufopferungsvoller Liebe zu ihrer Tochter ist gut nachvollziehbar, sodass man von Beginn an mit ihr mitfühlen kann. Viele unterhaltsame Dialoge und flotte Sprüche haben mich zum Lachen gebracht, die gesellschaftskritischen Töne stimmten mich oft nachdenklich und einige überraschende Wendungen hielten die Spannung aufrecht. Wer gerne Geschichten mit etwas kantigen Protagonisten mag, wird dieses Buch sicher lieben.

Waldi Lehnertz - Mord am Schätztag

Wenn ein Antiquitäten-Experte zum Ermittler wird, ist der Tatort nicht weit vom Trödel entfernt: Waldi Lehnertz, bekannt aus „Bares für Rares“, bringt mit dem zweiten Band der „Siggi Malich“-Reihe (Band 1: Mord im Antiquitätenladen) nicht nur wieder ein skurriles Verbrechen aufs Tapet, sondern auch wieder eine große Portion rheinischen Humor.

Schätztag auf dem Gelände von Siggis Antiquitätenladen: Ausgerechnet heute entdeckt dieser eine Leiche im Trevi-Brunnen – natürlich nicht dem echten. Der Mann wurde offensichtlich von einer der Säulen erschlagen und sieht Siggi verdächtig ähnlich. Galt der Mordanschlag etwa ihm? Zwischen urigen Dorforiginalen, antikem Plunder und dem ein oder anderen Kölsch stolpert der unfreiwillige Hobbydetektiv in diesen Mordfall, der so schräg wie sympathisch erzählt ist. Die Dialoge sind unterhaltsam, die Figuren sind herrlich überzeichnet, und die Spannung bleibt trotz aller Heiterkeit nicht auf der Strecke.

Ob Krimi oder Klamauk? Beides! Und gerade das macht den Charme dieses Buches aus. Sicher keine hochtrabende Weltliteratur aber unterhaltsame Herbst-Lektüre mit augenzwinkerndem Krimi-Flair – ideal für Fans von Humor mit Lokalkolorit und Cozy-Crime.

Susann Pásztor - Von hier aus weiter

Nach dem Suizid ihres an Krebs erkrankten Mannes bleibt Marlene mit einem Berg aus Wut, Einsamkeit und Sprachlosigkeit zurück. Trauer empfindet sie kaum, stattdessen hadert sie mit dem Verrat an ihrem gemeinsamen Plan, zusammen zu gehen. Ihr Alltag scheint stillzustehen – bis Jack, ein ehemaliger Schüler und inzwischen Klempner, unvermittelt wieder in ihr Leben tritt. Mit seiner unkomplizierten Art, seinem guten Essen und seiner Hartnäckigkeit bringt er Bewegung in Marlenes festgefahrene Welt. Unterstützung erhält sie außerdem von Ida, ihrer neuen Ärztin, die ebenfalls mehr und mehr eine wichtige Rolle spielt.

Als schließlich bei einer Freundin in Wien ein Brief ihres Mannes auftaucht, machen sich Marlene, Jack und Ida auf eine Reise, die Antworten verspricht – und vielleicht auch einen neuen Anfang.

Mit viel Feingefühl, leiser Komik und ohne jede Beschönigung erzählt Susann Pásztor eine Geschichte über Verlust, Wut, Nähe und die vorsichtigen Schritte ins Leben zurück. Ein Buch, das berührt, zum Nachdenken anregt und zeigt: Weitergehen ist möglich – wenn auch anders als gedacht.

Ein empfehlenswerter Roman für alle, die nach Geschichten über Trauer, Hoffnung und Neuanfang suchen.

Tahsim Durgun - Mama, bitte lern Deutsch

Tahsim Durgun – bekannt als TikTok‑Star mit einer halben Million Follower – erzählt in seinem Debüt von einer Kindheit, die von Anfang an mehr Verantwortung mit sich bringt als gewöhnlich: Er wächst mit Eltern auf, die kaum Deutsch sprechen – und wird so schon früh zum Dolmetscher für Arztbesuche, Elternabende, Behördenformulare und Alltagsmissverständnisse.
Doch statt zu klagen, bringt Durgun diese Realität mit Humor und Herz auf den Punkt. Gerade darin liegt die Kraft des Buchs: Es zeigt auf mitfühlende, aber auch witzige Weise, wie Kinder in migrantischen Familien oft zu stillen Stützen werden – lange bevor sie überhaupt wissen, was sie da eigentlich leisten.
Während Tahsim immer deutscher wird, bleibt die Mutter im Sprachkosmos ihrer Herkunft verhaftet. Was beide verbindet, ist nicht Sprache, sondern Liebe, Fürsorge und stille Stärke.
Die Mutterfigur ist das emotionale Zentrum des Buches: stark, klug, bildhaft in ihrer Ausdrucksweise, auch ohne formale Bildung. In ihren Handlungen zeigt sich Würde, Mut und der unbedingte Wunsch, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, auch wenn sie selbst nie ganz ankommt.

Das Buch verändert den Blickwinkel: Plötzlich sieht man Kinder, die im Schatten von Sprachbarrieren ganze Familienalltage organisieren. Es würdigt diesen stillen Kraftakt – ohne Pathos, aber mit Respekt und Wärme.
Und es lässt einen schmunzeln, selbst wenn es um ernste Dinge geht: etwa, wenn Einkaufsprospekte zur ersten Lektüre werden oder Schulempfehlungen plötzlich mehr über das System aussagen als über das Kind.

Ein persönliches, bewegendes und oft auch komisches Buch, das lange nachhallt.
Wer verstehen will, was es bedeutet, zwischen zwei Sprachen und zwei Welten aufzuwachsen – und dabei oft zu viel Verantwortung zu tragen – sollte dieses Buch lesen. Es macht betroffen, aber auch dankbar. Und es zeigt: Humor kann eine Brücke sein, wenn Sprache fehlt.